Montag, 25 Februar 2013 10:53

Ökodörfer - Gemeinschaft gestalten

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 Die Sommersonne steht am klaren Himmel, brennt heiß auf die Gruppe der Arbeiter herunter, die in den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts auf dem Acker in der Nähe des schleswig-holsteinischen Osterrönfeld Schicht um Schicht den Boden abtragen. Unweit der Gruppe stehen Baumaschinen still, die an der Autobahntrasse gearbeitet haben, für die ein vorübergehender Baustopp verhängt wurde. Man ist auf Funde aus alter Zeit gestoßen die eine so genannte Notgrabung durch das Landesamt für Vor- und Frühgeschichte erforderlich machten. Bei der Gruppe der Arbeiter handelt es sich um Archäologen.

Langsam wird für die Fachleute sichtbar, was an Spuren des Lebens unter den Bodenschichten des Ackers vom einstigen Dorf durch Jahrtausende hindurch erhalten geblieben ist. Bodenverfärbungen bilden die Grundrisse der einstigen Behausungen ab, ornamentierte Tonscherben erlauben Rückschlüsse auf die Zeit, in der hier Menschen lebten. Die Gesamtanordnung der Funde – irgendwo wurde eben sogar eine Bronzefibel gefunden - erlaubt es, sich ein Bild vom Gang des Lebens an diesem Ort zu machen. Ein Gräberfeld mit zersplitterten Knochen, weißgebranntem Flintstein, markiert von Steinsetzungen und eine birnenförmige Grube, in der verziegelter Lehm mit Getreideresten gefunden wurden, ermöglichen Ahnungen von den hier einst geübten religiösen Gebräuchen der Frühzeit.

Die Arbeit der Archäologen unterlegt die schrittweise Erforschung der Entwicklung der Kultur. Sie liefert Material darüber, welchen Bedürfnissen auf welchen Wegen die Menschen gefolgt sind, als sie einst ihr Zusammenleben, -arbeiten und -beten organisierten. Irgendwann in der langen Geschichte der Menschheitsentwicklung hat es begonnen, dass die Menschen nicht mehr einfach in das Leben der Natur eingebunden existierten, sondern sich daran machten, die Welt nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Dazu gehörte die Bildung von Gemeinschaften, die Eigenarten entwickelten, sich insofern von anderen Menschen und Menschengruppen zu unterscheiden begannen. Kulturelle Merkmale traten hervor, die gepflegt, entwickelt, verteidigt und tradiert wurden. Sie prägten die Menschen, so und nicht anders, wurden zu dem, was für den historischen Rückblick über die Maximen der Jetztzeit belehren kann. Bedürfnisse als Indikatoren für kulturelle Entwicklungen! Kulturen, die erblühen, um irgendwann auch wieder zu vergehen! Der Umgang der Menschen mit den Bedingungen ihres Lebens, der die Welt verändert, sie zu etwas anderem, neuem macht!

Zur kulturellen Entwicklung gehören Ziele, die schon seit Urzeiten in Visionen urständen, die sich Menschen von dem geschaffen haben, wie sie die Welt und das Leben (für sich selbst und die anderen) gern hätten. Das war also schon immer so und ist es bis heute geblieben. Kultur entwickelte sich durch Jahrtausende und führte immer zu Formen des Zusammenlebens von Menschen in Gruppen. Allerdings sind die Kulturen menschlichen Zusammenlebens seit ein paar Jahrhunderten nicht mehr umfriedet, sondern umkämpft von Einflussnahmen, die den Grundbedürfnissen zuwiderlaufen. Viel zu oft heiligen fragwürdige Zwecke die Entstehung von Ghettos, ob in der Bronx oder in den Plattenbauten von Berlin-Marzahn. Der Raum für Bedingungen menschlichen Zusammenlebens aus Freiheit zur Selbstverwirklichung ist in den zu unmenschlicher Funktionalität tendierenden Großstädten mittlerweile genauso eng geworden, wie in wirtschaftlich ausgedünnten ländlichen Regionen. In diesem durch Technisierung und Kapitalisierung durchsetzten Klima ist es schwierig geworden, Wohn- und Lebensgemeinschaften zu schaffen, in denen sich die Entwicklungen der Einzelnen und der Gruppe, selbstverwaltet und -bestimmt, von unliebsamen Außeneinflüssen ungestört ereignen können. Aber es ist das Verdienst der Kulturkreativen, die von neuem Lebensgemeinschaften und Ökodörfer erschaffen, in denen Menschen den für ihre freie Entwicklung benötigten Raum wieder finden können. Mit Bewusstsein und Tatkraft wird geschaffen, was das Leben im Mainstream, kulturell belebend für alle, um ein wichtiges Element sozialen Lebens ergänzt.

 

Freiwillig nicht mehr allein

Menschengemeinschaften, in denen zusammen gelebt wird können Verwandtschaft bedeuten, aber auch so zustande kommen, dass Nichtverwandte sich dafür entscheiden, einander näher zu sein, als es in unserem Kulturkreis gegenwärtig ansonsten wie von selbst der Fall wäre. Natürlich ist es andererseits hierzulande auch schwierig das Leben eines Eremiten zu führen, denn Gemeinschaft wird vermeintlich schon allein dadurch vorgegeben, dass jeder Mensch in diesem Staat als Bürger Teil einer Gesellschaft ist. Auch das Zusammenarbeiten ist durch unsere arbeitsteilige Wirtschaft irgendwie immer fast selbstverständlich bedingt. Aber über diese Grundelemente des sozialen Lebens gehen manche noch hinaus, indem sie zusammenleben, -arbeiten und -feiern, wo es dafür keinen äußeren, mehr oder weniger zwingenden Anlass gibt. Solche Kommunen kamen vor gut vierzig Jahren wieder von neuem auf. Menschen fühlen sich seitdem wieder von der Aussicht angezogen, im Bilden und Pflegen frei gewollter Gemeinschaften Kultur nach eigenen Regeln zu schaffen und die eigene, persönliche Entwicklung mit der anderer Menschen so weit wie möglich zu verbinden, damit eine Lebensart den Raum gewinnt, von deren Qualität und Sinn die Mitglieder einer solchen Gemeinschaft überzeugt sind.

Wer in Kommunen oder Ökodörfern mit anderen zusammen leben will, wird darum bemüht sein, die eigenen Bedürfnisse nicht isoliert von denen der anderen Mitbewohnerinnen und -bewohner zu sehen. Der Grundzug der Entscheidung, seine Lebensbedingungen so zu verändern ist insofern schon altruistisch, denn es gibt nicht die vermeintliche Ungestörtheit des zurückgezogenen Feierabendlebens, dass sich hinter den verschlossenen Türen zum privaten Wohnbereich ereignet. Man fragt sich und lässt sich fragen. Man gibt nach seinen Fähigkeiten und empfängt Hilfen. Aber vor allem wendet man sich aufmerksam der Kultur des Zusammenlebens zu und schafft auf diese Weise die Voraussetzung für eine Entwicklung, die anders nicht möglich wäre.

So verschieden sich (die neuen) Kommunen und Ökodörfer in den Jahren ihres Bestehens auch entwickeln, ist ihnen doch als Nenner gemeinsam, dass sich Menschen freiwillig zu einer Form des Zusammenlebens bekennen, in denen zuerst der Gemeinschaft als solcher Beachtung geschenkt wird. Daraus ergibt sich jedenfalls auch, dass mit dem Miteinander und der Rolle der Individuen darin gleichviel aufmerksam umgegangen wird. Basisdemokratische Wege der Entscheidungsfindung liegen darum nah, gemeinsame wirtschaftliche Aktivitäten und Modelle zu solidarischer Haushaltsführung sind nicht selten. Ein schonend nachhaltiger Umgang mit der Natur gehört zu den Selbstverständlichkeiten im Leben derer, die ihr eigenes Leben nicht mehr losgelöst vom dem Leben anderer Lebewesen sehen wollen und auf solchen Wegen üben, den in unserer Gesellschaft immer mehr grassierenden Sozialdarwinismus zu überwinden, der immer zuerst die Stärkeren lobt und schont und die Gemeinschaft der Lebewesen auf diesem Planeten nach Nahrungsketten klassifiziert.

Es mag sein, dass sich der zunehmende Hang zu neuen Formen gemeinschaftlichen Lebens, der weltweit zur Entstehung von immer mehr Ökodörfern führt auch am Mangel entzündet. Das Leben in einer Welt, die weitgehend aus der Anwendung ökonomischer Gesetze geprägt wird ist kalt wenn es um den Menschen ansich geht. Funktion geht vor. Eine Leistung muss so sein, das sich deren Wert aus einer wirtschaftlichen Verwendbarkeit ergibt, die zu Gelderträgen führt. Wo in diesen Entwicklungen ist noch genügend Raum für Menschlichkeit? Und was ist das überhaupt? Wer sich diesen Fragen existentiell stellt, steigt nicht aus, sondern ein. Er verlässt die Welt nicht, sondern beginnt sein Leben dort zu etablieren, wo sie noch das ist, was sie eigentlich sein könnte und möglicherweise auch sollte. Es gibt noch Bereiche, von denen aus der Aufbau ökologisch sinnvoller Lebensformen möglich ist, auch wenn es mitunter ungewöhnliche Wege sind, die zu solchen Plätzen führen.

 

Den geeigneten Ort finden und verwandeln (vier Beispiele)

Findhorn: Das Hotelier-Ehepaar Peter und Eileen Caddy hatte Anfang der 1960er-Jahre einen wirtschaftlichen Zusammenbruch erlitten, war aus der Welt des Bigbusiness gestürzt, als es sich mit einem Wohnwagen an einem damals unwirtlichen Platz auf einer Halbinsel der schottischen Findhornbucht niederließ. Es war die Hochzeit der New-Age-Bewegung, vieles lag in der Luft, dass den Menschen nahelegte, wieder nach den spirituellen Grundlagen ihrer Existenz zu fragen und es entstanden beispielhaft neue Lebensmodelle, die bis dato den neuentdeckten geistigen Wurzeln des Lebens gesunden Boden bereiten. Auf der vermüllten, verkarsteten Halbinsel entstand schließlich das in sattem Grün blühende Ökodorf der Findhorn-Community, in dem bis heute Modelle solidarischen Wirtschaftens im Einklang mit der Natur ebenso praktiziert werden, wie eine undogmatische Offenheit für jene Sphäre spirituellen Lebens aus der heraus jedes Leben getragen und geordnet wird.

ZEGG: Das ZEGG hat sich im südwestlich von Berlin gelegenen Bad Belzig als  Zentrum für experimentelle Gesellschafts-Gestaltung entwickelt. Man erwarb in den 1990er-Jahren ein 15 Hektar großes Gelände, mit dem sich in der Vergangenheit als Ausbildungsstätte der Hitlerjugend und der Stasi eine unrühmliche Geschichte verband. Davon ist heute nichts mehr zu spüren. Bereits kurz nach seiner Gründung wurde das ZEGG auf die Nutzung nachhaltiger Energien umgestellt, die stark vernutzten Außenbereiche rekultiviert und in den Gebäuden die Grundlagen für das gemeinsame Leben geschaffen. Ausgehend von Ideen der Aktionsanalytischen Aktion (AAO) Otto Muehls hatte Dieter Duhm als einer der bekannten Köpfe der 68er-Bewegung das Konzept des ZEGG entwickelt, dessen wesentliche Grundlagen trotz der Distanzierung von der AAO bis heute noch gelten. Ein spielerisches Ritual dient der transparenten Pflege von Beziehungen und dem Abbau sozialer und psychologischer Spannungen.

„Gemeinschaft ist für uns eine Lebensform, in der die Heilung der Liebe in einem unterstützenden sozialen Umfeld stattfinden kann. Jeder Einzelne erkennt die Verantwortung für seine Sehnsucht und sein Verlangen sowie für die eigene und die kulturelle Heilung. Liebe braucht ein spirituelles Fundament in unserem Leben, damit wir nicht alles, was wir brauchen, von der Liebesbeziehung verlangen und sie damit überlasten. Für uns ist die Liebe politisch, weil es für Freiheit und Heilung in der Liebe auch soziale und kulturelle Veränderungen braucht; und weil eine bewusste Art zu lieben verändernd in die Gesellschaft zurückwirkt.“

Quelle: www.zegg.de

 

Lebensgarten: Im niedersächsischen Steyerberg, einer Gemeinde mit kaum mehr als 5000 Einwohnern, ist auf dem Gelände einer von den Nazisozialisten als Unterkunft von Arbeiterinnen in der Rüstungsindustrie der Lebensgarten entstanden. Das historisch vom Leid der Arbeiterinnen der Pulverfabrik geprägte Gelände bietet heute der Siedlungsgemeinschaft Raum zum gemeinsamen Leben und Arbeiten, die bereits in der Pionierphase die teilweise schlecht erhaltenen Häuser weitgehend nach ökologischen Kriterien sanierte. In den ehemaligen Räumen der Küche werden heute Kulturveranstaltungen organisiert, die den Lebensgarten für viele Menschen zu einem Anziehungspunkt machen. Seminare zur Gewaltfreien Kommunikation gehören zum Kern der Veranstaltungen, schon allein deswegen, weil deren Methoden dem Anspruch der LebensgärtnerInnen an das selbstverwaltete, friedliche Zusammenleben dienlich sind. Durch den Lebensgarten hat sich mit den Jahren eine Strahlkraft entwickelt, die über die Region hinausreicht und viele Menschen inspiriert.

 

„Die KUKÜ fördert besonders Veranstaltungen und Gruppen,

die es vielen Menschen ermöglicht sich als Kulturträger und Kulturschaffende zu erleben und die über die reine Unterhaltung hinaus menschlich existentielle Themen aufgreifen, da diese Themen uns in unserem Menschsein verbinden,

die sich mit gesellschaftlich historischen Themen auseinandersetzen, weil wir uns angesichts unserer Vergangenheit in der Verantwortung sehen, Gewaltfreiheit und Mitgefühl in unserem Zusammenleben zu fördern,

die sich aktuellen gesellschaftlich relevanten Problemen stellen, um unser kulturelles Bewusstsein für die Notwendigkeit kreativer, nachhaltiger und humaner Lösungen zu fördern.


Zum Beispiel:

Menschlich existentielle Themen wie: Freiheit und Bindung, Verlust und Krise, Lebensfreude und Trauer, Heilung und Sinnfindung, ...

Gesellschaftlich historisch besonders mit der Thematisierung unserer NS-Vergangenheit, da die Siedlung des heutigen Lebensgarten als Instrument für das NS-Gewaltregime erbaut wurde.

Aktuell gesellschaftlich relevante Themen wie: nachhaltige Ökologie und gerechte Ökonomie, Integration und Friedenssicherung, interkultureller und interreligiöser Dialog, ..“

 

Quelle: http://www.lebensgarten.de/index.php?id=123&ord=36

 

Sieben Linden: Im Jahr 1997 begann auf einem 77 Hektar großen Gelände der Aufbau der Ökodorfs Sieben Linden. Nach fast zehn Jahren der Arbeit am Konzept und der Suche nach einem geeigneten Standort hatten die ersten Ökodörfler der Initiative ihren Boden gefunden, auf dem die Idee eines Dorfes äußere Gestalt annahm, das autofrei und naturgefällig Raum für das weitgehend selbstversorgende Leben der BewohnerInnen bietet. Die Länge des Weges einer Gemeinschaft, der schließlich dahin führt, dass man nach selbst geschaffenen und verwalteten Regeln in dörflicher Struktur zusammenleben kann, ist unterschiedlich bemessen. Auch das Beispiel des Ökodorfs Sieben Linden zeigt, dass er möglich und gangbar ist. Fast alle BewohnerInnen von Sieben Linden leben und arbeiten im Dorf, was eine Vielfalt der vertretenen Berufe ergibt, die Handwerke, Gärtnerei, Pädogogik, Heilberufe und Kunst umfasst.

 

„Insgesamt ist die politische Struktur des Dorfes sehr basisdemokratisch aufgebaut. So lautete der Leitsatz des ersten Ökodorf-Konzeptes folgendermaßen: „Wir suchen Menschen, die in der Gemeinschaft ihre Individualität entfalten wollen, d.h. sich einen eigenen Verantwortungsbereich suchen, innerhalb dessen sie selbst entscheiden, gestalten, sich weiterentwickeln und verwirklichen können.“

Beim Entscheidungsmodell gibt es insgesamt folgende fünf Organe: Die Kleingruppen (Arbeitsgruppen und Nachbarschaften), den Visionsrat, die Vollversammlung, die Geschäftsführungssitzung (GFS) und den Vereinsvorstand. Die Aufgabenverteilung sieht folgendermaßen aus: Entscheidungen in Sachfragen werden in mehreren kleinen Gruppen nach dem Konsensprinzip getroffen. Dinge die alle betreffen, werden von allen Dorfbewohnern in der Vollversammlung in Form eines Plenums diskutiert und abgestimmt wobei jeder mit ‚Ja‘, ‚Nein‘, ‚Enthaltung‘ oder ‚Veto‘ stimmen kann. Ein Antrag gilt nur dann als angenommen, wenn kein Veto und mindestens zwei Drittel Ja-Stimmen vorliegen. Damit hat jeder die Möglichkeit, Entscheidungen in Form eines Vetos zu blockieren. Allerdings kann der Antrag auf einer weiteren Vollversammlung erneut beraten werden und auf ihr das Veto überstimmt werden, so dass eine dauerhafte Blockade nicht möglich ist.“

Quelle: Wikipedia

 

 

Integrierte Konzepte

 Ökologische Lebensformen in nahen, dorfähnlichen Strukturen können sich allerdings auch in städtische Strukturen integriert entwickeln. Das Quartier Vauban mit seinen mittlerweile 4800 EinwohnerInnen ist ein Stadtteil von Freiburg, der als ökologisches Siedlungsprojekt weithin von sich reden macht. Im Unterschied zu den Ökodörfern ist nur ein Teil (600) der Einwohnerschaft in Vauban berufstätig, die anderen gehen außerhalb ihrer Arbeit nach.

Die Ökosiedlung befindet sich auf dem Gelände einer 1937 errichteten Wehrmachtskaserne – ein weiteres Beispiel, das fragwürdige Vornutzungen durch ökologisch-soziales Engagement „geheilt“ werden können.

 

„Als Ökosiedlung (ökologische Siedlung, nachhaltige Siedlung) wird ein Dorf oder ein Stadtteil bezeichnet, das bzw. der an ökologischen Kriterien ausgerichtet ist. Dies betrifft insbesondere die Verkehrsplanung (z. B. Stadtteile ohne Autoverkehr) sowie Energiestandards, also beispielsweise Niedrigenergiehäuser, Passivhäuser und eine regionale Energieversorgung mit erneuerbaren Energieträgern oder Blockheizkraftwerken. Teilweise sind Ökosiedlungen intentionale Gemeinschaften, d. h. die dort Lebenden haben sich bewusst zusammengefunden, um ihr Leben nach bestimmten Werten auszurichten. Aber auch „ganz normale“ Stadtteile werden als „Ökosiedlung“ bezeichnet, wenn sie in ihrer Bauweise und Verkehrsplanung hohen ökologischen Standards genügen.

Zur Abgrenzung gegenüber derartigen „Ökosiedlungen“ wird oft auch der Begriff Ökodorf gebraucht. Die Idee des Ökodorfs ist es, möglichst alle Lebensbereiche zu integrieren. Also nicht nur ökologisch zu wohnen und dann jeden Tag mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, sondern ebenso Produktion, Bildung, soziale Absicherung etc. innerhalb der Gemeinschaft zu organisieren.“

Quelle: Wkipedia

 

Aber auch vollständig in die Alltagswelt integriert können ökologisch sinnvolle Lebens- und Wirtschaftsformen entwickelt werden. Dafür braucht niemand seine Wohnung zu wechseln, kann in der eigenen Lebensführung beginnen und Nachbarn für seine Idee begeistern. Das Ökodorf-Ruhrgebiet verfolgt so ein Modell, in dem sich Einzelpersonen, Gemeinschaften und Gewerbebetriebe miteinander vernetzen können, um von Nachhaltigkeit und Solidarität geprägte Lebensformen in die Tat umzusetzen.

Das Konzept „Das Dorf in der Stadt“ das der ehemalige Unternehmer Philipp Heist entwickelt hat, liefert zahlreiche Ideen, die unmittelbar aufgegriffen werden können und sogar beinhalten, dass eine eigene Komplementärwährung den wirtschaftlichen Zwecken der Verbundpartner dient.

 

„Im „Dorf-in-der-Stadt“ können sich die Menschen wieder mehr auf ihre Nachbarschaftsumgebungen beziehen und hier in vielfältigen Formen ein aktives Mit- und Füreinander mit neuen, lokalen Wirtschafts- und Arbeitskreisläufen organisieren. Die natürliche Bereitschaft für Nachbarschaftshilfe, Mitverantwortung, Engagement für das Gemeinwesen und weitere soziale Verhaltensweisen werden angesprochen, aktiviert und nachhaltig integriert. Die Gemeinschaftlichkeit wird wieder aufgewertet, ohne die individuellen Werte einzuschränken.

Mit neuen, selbsttragenden Organisationsformen wird eine Verlagerung mancher sozialstaatlicher Aufgabe hin zur Basis der Gesellschaft ermöglicht.

Die Ausdehnung eines Dorfes-in-der-Stadt ist nach diesem Modell zunächst auf einen Kreis von ca. zehn Minuten zu Fuß begrenzt. Eine Stadt kann viele solcher "Dörfer" beherbergen, wobei Benachbarungen und Überlagerungen möglich und sinnvoll sind.

… Das Dorf-in-der-Stadt vernetzt neue Interessengemeinschaften und Freundeskreise, vermittelt Bekanntschaften, Beziehungen, Partnerschaften, löst Vereinzelung und Vereinsamung auf. Ein Nachbarschaftsmarkt entsteht mit vielfältigem Austausch in Interessen, Sachen, Hilfen, Leistungen usw. Das trägt zur Anhebung des sozialen sowie auch des materiellen Wohlstandes und zur Aufrechterhaltung der Nachbarschafts-Vernetzung bei.“

 

Quelle: Peter Krause (Hrsg.) „Anders: Alternativen schaffen“, Berlin 2010, S. 109 ff

Gelesen 20259 mal Letzte Änderung am Dienstag, 28 Juli 2015 22:24
Peter Krause

Peter Krause (Krause-Keusemann) studierte Kunst, Pädagogik, Theologie und Betriebswirtschaft.  Als freier Journalist und Buchautor (seine Schwerpunkte sind die Wirtschaft und der medizinische Leistungsbereich) zahlreiche Veröffentlichungen in verschiedenen Zeitschriften und Verlagen.

Weiterlesen: fairventure.de/lexikon/item/14-peter-krause

Webseite: www.aktiv-zukunft-leben.de